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MUSIKLEXIKON
D wie Doors
(2016)
Von Hans-Jürgen Schaal
Der Name war Programm: Es ging um die „Türen“ der Wahrnehmung, um die Wege in eine andere Wirklichkeit. Bei der kalifornischen Rockband The Doors kannte man sich aus mit Trance, Trips und Visionen. Die Songtexte handelten von der „anderen Seite“, vom „Ende der Nacht“, vom „Schwimmen zum Mond“. Aus der elektronischen Orgel kamen zuweilen schwebende, gläserne Sounds, die Gitarre lieferte Glissando-Klänge, im Bass sorgten Orgelpunkt und Ostinato für Dauer-Hypnose, die modalen Improvisationen entführten in psychedelische Welten. Nicht umsonst hatten sich die Bandmitglieder bei einem Meditationskurs kennengelernt. Ihr Kraftzentrum bildete natürlich Jim Morrison, der Sänger mit dem dämonischen und erotischen Bariton. Er verstand sich als Dichter und Schamane, als selbstzerstörerischer „Poète maudit“. Tabubrüche und Skandale gehörten zu seinem Image. Alkohol, Drogen und Sex lieferten ihm seine täglichen Trips – neben der Musik. Bevor die Doors ihre erste Platte gemacht hatten, stand eines ihrer Stücke bereits auf dem Index.
Diesseits der Türen ins Unendliche gab es die Erdung im Blues. Die Doors spielten alte Zwölftakter von Willie Dixon und John Lee Hooker, man liebte Shuffle-Rhythmen, Worksong-Litaneien und jazzige Riffs. Morrison, der singende Poet, setzte seine Stimme bevorzugt monoton, kühl und beschwörend ein, zu viele Harmonien hätten da nur gestört. Es gab auch kleine Monodramen mit gesprochenem Text, denn für diesen Vokalisten waren die Worte wichtiger als die Melodie. „Mit 27 ist man zu alt für einen Rockstar“, meinte Jim Morrison kurz vor seinem Tod, bald darauf schloss er sich tatsächlich dem legendären „Club 27“ an. Das Zitat sollte gewissen Rock-Opas heute zu denken geben – sie müssen deswegen ja nicht gleich dahinscheiden. Im Tod jedenfalls ist der raunende Dichter-Schamane Morrison endlich mit seinesgleichen vereint. Auf dem Pariser Friedhof „Père Lachaise“ findet man auch die Gräber von Apollinaire, Balzac, Goll, Molière, Proust oder Oscar Wilde.
© 2016, 2018 Hans-Jürgen Schaal
© 2016 Hans-Jürgen Schaal |
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