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Buchprüfung

Stephan Schulz:
What a Wonderful World
(2014)

Von Hans-Jürgen Schaal

Nicht nur für Jazzfans: Dieser liebevoll gemachte, anekdotengesättigte und reich bebilderte Band dokumentiert ein ganz besonderes Stück Kultur- und Zeitgeschichte. Er berichtet nämlich von jener seltenen Gelegenheit, „als Louis Armstrong durch den Osten tourte“. Ganz recht: Im März 1965 gab „Satchmo“, der afroamerikanische Jazzpionier, Trompeter, Sänger und Entertainer, 17 umjubelte Konzerte in der DDR – vor insgesamt mehr als 50.000 Zuhörern! Man muss sich das vorstellen: hier die All-Stars aus dem dynamischen Amerika mit so markanten Musikern wie Billy Kyle und Tyree Glenn, dort die staatliche Künstleragentur der DDR und die Bedenkenträger der Stasi. Dass da zwei sehr, sehr unterschiedliche Welten aufeinander trafen, ist klar. Mit Erinnerungen von Zeitzeugen, authentischen Fotos und Dokumenten und blühenden Legenden macht das Buch diese unheimliche Begegnung der bizarren Art wieder prickelnd lebendig: spannend wie ein Krimi, anrührend wie eine DDR-Familiensaga. Schon die Kapitelüberschriften sind eine witzige Einladung ins Kuriositätenkabinett der Zeitgeschichte. Etwa diese: „Der Deal. Tausche Antiquitäten gegen weltberühmte Jazz-Musiker“. Oder diese: „Was bitte ist kammblasig? Werner Josh Sellhorn verwirrt den Dolmetscher“. Oder gar diese: „Louis Armstrong im Hühnerstall. Else Lücke schmiert dem Jazzkönig ein Butterbrot“. Gefragt, wie ihm das DDR-Publikum gefalle, antwortete Armstrong damals im Sender Schwerin: „Überall, wo wir hinkommen, gibt’s Eisbein, ha, ha. O yeah, yeah! Alles hat den richtigen Drive.“

© 2014, 2020 Hans-Jürgen Schaal


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06.10.2020
09.10., NDR Info, 22.05 Uhr: JAZZ SPECIAL "ORIENTAL BLUE": Zum 100. Geburtstag von YUSEF LATEEF

06.10.2020
Thema Beethoven: BEETHOVEN UND DIE BLÄSER & BEETHOVENS JUGENDFREUND ANTON REICHA (2 Beiträge im Oktoberheft von BRAWOO)

23.09.2020
Über FLORIAN ARBENZ in Germering: "Allen Umständen zum Trotz ein großartiges Konzert. Dass Florian Arbenz grooven, also extrem treibend nach vorne spielen kann und die Zuhörer am liebsten mit den Fingern mitschnippen würden, zeigte er unter anderem bei der Komposition 'Groove Conductor'. Er behandelte sein um diverse Instrumente wie Kalimbas oder einen riesigen balinesischen Gong erweitertes Drumset wie ein vielschichtiges Melodieinstrument. Und wenn’s gar nicht mehr anders ging, dann pfiff er noch die normalerweise vom Sax geblasene Melodie. Damit schaffte Arbenz eine fast magische Stimmung. Das Publikum folgte gebannt jeder Volte des enorm einfallsreichen Perkussionisten und spendete am Ende den verdienten langen Beifall. Nach der Zugabe verspürte auch der Letzte im Saal ein Gefühl des Erleichterung darüber, dass er endlich wieder ein richtiges Konzert erleben durfte" - KLAUS GREIF, Münchner Merkur

22.09.2020
25.09., 22.05 Uhr, NDR Info: OSCAR BROWN JR.

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