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Lorenz Hart
Poète maudit des Broadway
(2003)

Von Hans-Jürgen Schaal

Der Sohn deutsch-jüdischer Einwanderer (seine Eltern hießen Max und Frieda) galt als leiblicher Nachkomme von Heinrich Heine. Er sprach fließend Deutsch, dichtete englische Versionen der Lehár-Operetten und war doch ein Kind der smarten, unromantischen Urbanität New Yorks. Auf seine Unzuverlässigkeit war Verlass: Hart hatte geniale Momente, aber kein Sitzfleisch, verlor Notizzettel, tauchte tagelang unter und hielt sich nicht an Deadlines. Kleinwüchsig, ruhelos, chaotisch, mit schütterem Haar, lautem Lachen, dicker Zigarre, voller Unsinn, voller Verzweiflung, dem Alkohol verfallen – „der unglücklichste Mensch, den ich je traf“, so die Sängerin Mabel Mercer. Bei den Frauen blitzte er regelmäßig ab: Unerwiderte Liebe war sein großes Thema. „You Are Too Beautiful“. „This Can’t Be Love“. „Glad To Be Unhappy“.

Lorenz Milton Hart (1895-1943) war 23 und studierte an der Columbia School of Journalism, als er den 17-jährigen Komponisten Richard Rodgers kennen lernte. Mehr als 20 Jahre lang bildeten „Dick & Larry“ ein Songschreiber-Team für Broadway-Shows und Hollywood-Filme: der disziplinierte, kühle, etwas steife Rodgers und der schlampige, subversive Rumpelstilz Hart. Die Spannung zwischen sentimentaler Melodie und unsentimentalem Text war ihr eigentliches Erfolgsgeheimnis. 1925 wurde ihr Song „Manhattan“ über Nacht zum Hit, die Zeitungen druckten die Lyrics nach und Dutzende weiterer Hits (und späterer Jazz-Klassiker) folgten: „I Could Write A Book“, „Isn’t It Romantic“,„The Lady Is A Tramp“, „My Funny Valentine“.

Typisch Hart ist eine Mischung aus altertümlicher Lyrik, modernem Slang und zynischem Witz. Statt in Herz-Schmerz-Poesie baden seine Songtexte in selbstquälerischem Sarkasmus und raffinierten Reimen: „I’d go to hell for ya / or Philadelphia“. Hart jonglierte als erster Broadway-Texter mit Fremdwörtern und Vulgärsprache, mit dreisilbigen, falschen, Tripel- und Binnen-Reimen, mit komischer Klage und tragischem Humor: It’s a pleasure to be sad. Doch die Verzweiflung war stärker: Der unglückliche Poet verlor zunehmend die Übersicht. Als er 1942 ein Libretto ablehnte, musste sein Partner einen neuen Texter suchen. Rodgers’ Wechsel zu Oscar Hammerstein ersetzte New Yorker Raffinesse durch patriotische Naivität. Allein gelassen verfiel Hart vollends dem Chaos. Er verschwand am Abend seiner letzten Premiere, ergab sich dem Suff und wurde mit einer tödlichen Lungenentzündung wieder gefunden.

©2003, 2007 Hans-Jürgen Schaal


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23.09.2020
Über FLORIAN ARBENZ in Germering: "Allen Umständen zum Trotz ein großartiges Konzert. Dass Florian Arbenz grooven, also extrem treibend nach vorne spielen kann und die Zuhörer am liebsten mit den Fingern mitschnippen würden, zeigte er unter anderem bei der Komposition 'Groove Conductor'. Er behandelte sein um diverse Instrumente wie Kalimbas oder einen riesigen balinesischen Gong erweitertes Drumset wie ein vielschichtiges Melodieinstrument. Und wenn’s gar nicht mehr anders ging, dann pfiff er noch die normalerweise vom Sax geblasene Melodie. Damit schaffte Arbenz eine fast magische Stimmung. Das Publikum folgte gebannt jeder Volte des enorm einfallsreichen Perkussionisten und spendete am Ende den verdienten langen Beifall. Nach der Zugabe verspürte auch der Letzte im Saal ein Gefühl des Erleichterung darüber, dass er endlich wieder ein richtiges Konzert erleben durfte" - KLAUS GREIF, Münchner Merkur

22.09.2020
25.09., 22.05 Uhr, NDR Info: OSCAR BROWN JR.

22.09.2020
Über das Solokonzert von FLORIAN ARBENZ in Germering: "Was Arbenz an differenzierter Sperrigkeit, intellektueller Herausforderung, aber auch an hingebungsvollem Raffinement bot, gehört einfach in die Rubrik perkussiver Extravaganz. Variantenreich schlägt und klopft, reibt und streichelt er sein umfangreiches Drum-Set, zu dem auch einige „neu erfundene Schlaginstrumente eines Freundes“ gehören, wie Arbenz zwischen den einzelnen Nummern erzählt. Bei ihm entwickeln sich die Stücke logisch, aus einer inneren Notwendigkeit heraus. Er gliedert den Puls, öffnet ihn, seziert ihn, um Rhythmen zu verdichten. Dann wieder bringt er Luft in diese improvisierten Kompositionen, lässt sie atmen und kommt damit dem menschlichen Herzschlag auf ganz besondere Weise näher. Impressionistische Zartheiten gehören ebenso zu seinen Ausdrucksmitteln wie kraftvolle Klanggewitter. So wurde es ein kurzweiliger Abend, voller Emotion und Intelligenz, mit reichlich Spiritualität, aber auch einer ordentlichen Portion Körperlichkeit. - JÖRG KONRAD, kultkomplott.de

22.09.2020
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG zum Konzert am 18.09.: "Just als TINEKE POSTMA im Flieger von Amsterdam nach München saß, um am Abend mit FLORIAN ARBENZ im Duo zu spielen, gab es eine neue Richtlinie: Alle Einreisenden aus den Niederlanden nach Deutschland müssen 1. bei ihrer Ankunft auf Covid 19 getestet werden und 2. so lange in Quarantäne, bis das Ergebnis des Tests vorliegt. Somit stand der Schweizer Schlagzeuger Florian Arbenz um 19.30 Uhr allein auf weiter Bühne des Orlandosaales der Stadthalle, während eine der besten europäischen Saxofonistinnen nur zweihundert Meter Luftlinie entfernt im Zimmer ihres Hotels festsaß."

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