NEWS





Zurück

Greg Osby
Architekt des Ungewohnten
(1998)

Von Hans-Jürgen Schaal

Greg Osby bläst wieder in der allerersten Reihe. Nach eher fragwürdigen Ausflügen in Elektronik-, HipHop- und Rap-Gefilde markierte die CD "Art Forum" 1996 die triumphale Rückkehr des Altsaxophonisten in den akustischen Jazz: Sachlich, verwinkelt, mit kühlem Ton und fernab vom Mainstream setzte Osby souveräne Statements über abgründigen Combo-Grooves. Die Folgeplatte des M-Base-Veteranen, "Further Ado", belegte 1997 bereits Platz 9 in den Jahres-Charts der Jazz-thing-Mitarbeiter. Und Osbys Meta-Jazz wächst weiter: Die neue CD "Zero" (alle Blue Note/EMI) präsentiert hochtalentierte junge Helfer in Rodney Green (18, Schlagzeug) und Jason Moran (22, Keyboards). Letzterer hat sogar schon seinen eigenen Plattenvertrag mit Blue Note in der Tasche - dank Osby.

Osby über seinen Wechsel ins akustische Fach:

Ich fand, es war Zeit, meine Kompositionen und meinen Stil mal in einer sparsameren Umgebung zu präsentieren - damit auch die Leute, die es nie kapiert haben, endlich hören, worum es mir geht. Ich versuche dabei auch, die Grenzen des akustischen Combo-Jazz zu erweitern: durch Songs, die das Quartett größer klingen lassen, oder Dinge, die für eine Small Group einfach untypisch sind. Ich habe ja den Jazz nie aufgegeben. HipHop und Elektronik waren nur einfach eine andere Sound-Umgebung für mich, in der ich meine musikalische Logik ausprobieren konnte.

Osby über seine Art zu komponieren:

Ich wollte einmal Architekt werden, und in der Musik bin ich einer geworden. Komponieren ist ein Bauprozeß. Es gibt bei mir viel Symmetrie, Graphik, Form, Figur. Oft schreibe ich meine Stücke in Teilen. Ich starte mit kleinen Ideen, die ich "germs" nenne, und baue daran weiter, manchmal über Jahre. Manche Leute finden meine Stücke erst einmal komisch, etwas abstrakt. Vieles darin entspricht nicht dem Üblichen und sabotiert die westliche Harmonielehre. Aber für mich hat das alles eine sehr klare Logik.

Osby über Steve Coleman:

Steve ist mein bester Freund, und wir arbeiten ständig an neuen Ideen. Er ist ein Charlie-Parker-Experte und hat mir Parkers Bedeutung als Saxophonist klargemacht. Wir telefonieren täglich stundenlang miteinander. Alle zwei Wochen verbringe ich ein paar Tage bei Steve oder er bei mir. Daß wir so eng kooperieren und doch verschiedene Wege gehen, das ist das Beste daran. Wir sind uns in vielem nicht einig, aber das inspiriert uns wiederum.

Osby über M-Base:

Bei M-Base ging es darum, dein ganzes Wissen einzubringen, es mit den anderen zu teilen und einen neuen Stil zu entwickeln, der alle unsere Erfahrungen einschloß. Wir hatten vor kurzem ein Reunion-Konzert in der Knitting Factory - mit Steve Coleman, Graham Haynes, David Gilmore, Cassandra Wilson... Es waren fast alle wieder dabei. Und wir stellten fest, daß viele von uns noch immer den Konzepten verpflichtet sind, über die wir vor 10 Jahren diskutiert haben. Manche Leute finden etwa, daß sich Cassandra verändert hat, aber das stimmt nicht. Ich höre immer noch unsere M-Base-Prinzipien bei ihr. Und ich selbst benütze sie genauso.

Osby über den Titel seiner neuen CD "Zero":

"Zero" steht für "Zero Zone". Das ist der Zustand, in dem alles klappt. Du stehst auf der Bühne, alles paßt zusammen, die Band hört dich, reagiert auf dich und inspiriert dich. Du kannst dich selbst vergessen, schließt die Augen, und es ist das Beste, was dir passieren kann: wie ein Dauer-Orgasmus.

© 1998, 2003 Hans-Jürgen Schaal


Bild

06.10.2020
09.10., NDR Info, 22.05 Uhr: JAZZ SPECIAL "ORIENTAL BLUE": Zum 100. Geburtstag von YUSEF LATEEF

06.10.2020
Thema Beethoven: BEETHOVEN UND DIE BLÄSER & BEETHOVENS JUGENDFREUND ANTON REICHA (2 Beiträge im Oktoberheft von BRAWOO)

23.09.2020
Über FLORIAN ARBENZ in Germering: "Allen Umständen zum Trotz ein großartiges Konzert. Dass Florian Arbenz grooven, also extrem treibend nach vorne spielen kann und die Zuhörer am liebsten mit den Fingern mitschnippen würden, zeigte er unter anderem bei der Komposition 'Groove Conductor'. Er behandelte sein um diverse Instrumente wie Kalimbas oder einen riesigen balinesischen Gong erweitertes Drumset wie ein vielschichtiges Melodieinstrument. Und wenn’s gar nicht mehr anders ging, dann pfiff er noch die normalerweise vom Sax geblasene Melodie. Damit schaffte Arbenz eine fast magische Stimmung. Das Publikum folgte gebannt jeder Volte des enorm einfallsreichen Perkussionisten und spendete am Ende den verdienten langen Beifall. Nach der Zugabe verspürte auch der Letzte im Saal ein Gefühl des Erleichterung darüber, dass er endlich wieder ein richtiges Konzert erleben durfte" - KLAUS GREIF, Münchner Merkur

22.09.2020
25.09., 22.05 Uhr, NDR Info: OSCAR BROWN JR.

mehr News

© '02-'20 hjs-jazz.de